Produktionsschule - Eine Schule die produziert?

Die heutige Form der Produktionsschule kommt aus Dänemark, aber hat bereits ihren Ursprung schon in der Zeit der Weimarer Republik. Ziel dieser Schulform ist es, die Dominanz  der geistigen Arbeit etwas zu reduzieren, um mit Hilfe manueller Arbeit eine Erziehung zur Selbsttätigkeit und Förderung von Denkprozessen zu erweitern.

Auszüge aus:  "Produktionsschulen - Mythos und Realität in der Jugendsozialarbeit" (Historische Wurzeln)

"Im Zuge der Reformpädagogik als Gegenströmung zum als einseitig empfundenen Bildungsideals Humboldts entstanden neue Bildungs- und Schulkonzepte, die eine Verbindung von Arbeiten und Lernen forderten. Unter dem Begriff "Arbeitsschule" lassen sich Entwürfe zusammenfassen, die sich als Gegenbewegung zur so genannten Buch - oder Paukschule verstehen. An führender Stelle standen in Deutschland die Arbeitspädagogen Georg Michael Kerschensteiner (1854 - 1932) und Paul Oestreich (1878 - 1959)."
"Als Kerschensteiner 1908 die Arbeitsschule als "Schule der Zukunft" bezeichnete, definierte er als den Hauptmangel der zu überwindenden Buchschule die Dominaz der geistigen Arbeit. Manuelle Arbeit ist als Ausgangspunkt einer Erziehung zur Selbsttätigkeit wichtig. Einerseits stellt die handwerkliche Berufswelt ein Erfahrungsfeld für die Schülerinnen und Schüler dar. Zum anderen kann planmäßig durchgeführte Handarbeit den Denkprozess wesentlich fördern." 
"In der Weimarer Republik tritt der "Bund Entschiedener Schulreformer" (1919-1933) um Paul Östreich für freiheitliche Schulpolitik mit neuen Erziehungs- und Bildungswerten ein und entwickelt in diesem Zusammenhang die Idee einer neuen Schulform, der Produktionsschule. Die produktive Arbeit der Schüler sollte zum einen den Erhalt der Schule sichern. Zum anderen wird die produktive Arbeit der Schülerinnen und Schüler als kulturell wie auch sozial bildend betrachtet."

"Auch wenn sich in den heutigen Produktionsschulen Elemente der bereits damals diskutierten Vorstellungen finden, scheint eine Bezugnahme auf diese Tradition problematisch. Zwar stellen die heute existierenden Produktionsschulansätze auch eine Schulkritik unseres bestehenden Systems dar, doch wir hüten uns vor dem Hintergrund der damaligen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen des kaiserlichen bzw. des Weimarer Schulwesens davor, eine Wiederauferstehung alter Reformkonzepte zu beschwören. Die gegenwertige Diskussion über Produktionsschulen ist weniger ideologisch."